Resilienz – psychische Widerstandskraft um Umgang mit Krisen wie CED

„Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ – dieses Sprichwort erscheint auf den ersten Blick etwas abgedroschen zu sein. Doch umfasst es ganz gut, was der Begriff Resilienz beschreibt: Die Fähigkeit, mit Widrigkeiten umzugehen und sich von diesen ohne langfristige Beeinträchtigungen zu erholen.1,2 Dabei hat die Widerstandsfähigkeit einen neurobiologischen Hintergrund: Resilienz führt dazu, dass körperliche Reaktionen ausgeglichen werden, wie die Ausschüttung von Katecholamin und Cortisol als Antwort auf Stress oder Traumata. Wie resilient eine Person ist, beeinflussen zudem die Gehirnstruktur und die Neurotransmitter, wodurch die langfristigen Auswirkungen von Stress oder Traumata auf den Körper verringert werden können.3,4 Doch wie entsteht eine solche Resilienz? Gute Schulerfahrungen, verlässliche Bezugspersonen in der Kindheit bis ins Erwachsenenalter sowie ein wenig konflikthaftes Elternhaus, das zur Selbstständigkeit erzieht, sind nur Beispiele für Faktoren, die einen positiven Beitrag zur Resilienz leisten.1,5 Andererseits können verschiedene Umstände die Empfindsamkeit einer Person beeinflussen und die Resilienz mindern – beispielsweise Naturkatastrophen, persönliche Krisen oder die Diagnose einer Erkrankung, wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED).1

Wenn der Darm auf die Psyche schlägt

Sicherlich hat sich dein Leben verändert, nachdem deine CED diagnostiziert wurde – und das ist vollkommen verständlich. CED-Betroffene müssen ihren Lebensstil mitunter der Erkrankung anpassen, zum Teil komplexe Medikamentenschemata einhalten oder unerwünschte Nebenwirkungen tolerieren. Daher geht eine CED nicht nur mit körperlichen Beschwerden einher, sondern kann auch eine psychische Herausforderung für die Betroffene bedeuten – u. a. aufgrund des unvorhersehbaren, schubweise verlaufenden Krankheitsverlaufs, der unangenehmen körperlichen Beeinträchtigungen oder gesellschaftlichen Stigmatisierung.3 Daher ist es nicht verwunderlich, dass CED-Patient*innen ein erhöhtes Risiko für bestimmte psychische Erkrankungen haben: Jede*r vierte CED-Betroffene*r zeigt Symptome einer Depression und fast jede*r dritte Patient*in einer Angststörung.6,7,8 Eine psychische Erkrankung kann – vor allem unbehandelt – wiederum mit negativen Effekten für die Darmerkrankung einhergehen und z. B. die Krankheitsaktivität, inkl. Schübe, Operationen oder Lebensqualität negativ beeinflussen.4 Mehr über diese wechselseitige Beziehung erfährst du in unserem Artikel Bauch über Kopf – wie Psyche und CED zusammenspielen.

Positiver Einfluss von Resilienz auf deine CED

Resilienz ist für CED-Patient*innen von besonderer Bedeutung, wie die Forschung bereits zeigen konnte: Wenn Betroffene ihre CED-Diagnose annehmen und sich auf die veränderten Lebensanforderungen einstellen, kann dies mit verschiedenen positiven Effekten für sie einhergehen. So weisen sowohl Patient*innen mit Morbus Crohn als auch Colitis ulcerosa – gemäß einer Untersuchung – eine geringere Krankheitsaktivität auf, wenn sie resilienter sind. Einen weiteren positiven Einfluss kann die Widerstandsfähigkeit auf die Lebensqualität der CED-Patient*innen haben. Zusätzlich wurde in der genannten Untersuchung bei Morbus-Crohn-Patient*innen mit einer höheren Resilienz beobachtet, dass sie seltener aufgrund ihrer Darmerkrankung operiert werden mussten. Wenn sich resilientere CED-Patient*innen also besser mit ihrer Erkrankung arrangieren, könnte dies vorteilhaft für sie und ihre CED sein. Somit bietet die Fähigkeit der Resilienz einen guten Ansatzpunkt, um Betroffene zusätzlich zu ihrer CED-Therapie zu unterstützen und u. a. die Krankheitsaktivität in den Griff zu bekommen.3

Resilienz ist keine angeborene Fähigkeit oder Persönlichkeitseigenschaft – kann also erlernt und gestärkt werden. Die folgenden Tipps können dir dabei einen ersten Anhaltspunkt geben, um deine Resilienz im Alltag zu erhöhen:9

  • Soziale Kontakte sind wichtig: Ein starkes Netzwerk aus Kolleg*innen, Freund*innen und Familie kann dir Geborgenheit sowie Trost spenden und dir in Notfällen Unterstützung bieten.
  • Arbeite an deiner eigenen Wahrnehmung: Akzeptiere Veränderungen und sieh Krisen nicht als unlösbare Herausforderungen an. Versuche auftretende Probleme richtig einzuordnen und optimistisch zu bleiben. Vertraue auf dich und deine Fähigkeiten!
  • Sei achtsam: Baue genügend Pausen in deinen Alltag ein, um dein Stresslevel möglichst gering zu halten und deine Kräfte zu sammeln.

Doch das ist alles einfacher gesagt als getan – besprich mit deinem Behandlungsteam, welche Möglichkeiten es speziell für dich gibt, um deine Resilienz zu stärken und wie du dabei Unterstützung erhalten kannst.

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